Presseveröffentlichungen

Vorstand Förderverein 2009 von links:

Gönner sollen ihre Talente wuchern lassen:

Verein zur Förderung des Chores der Johanneskirche mit ungewöhnlichen Ideen: Gottesdienstbesucher erhalten zunächst mal Geld.
Im Jubiläumsjahr ist der Chor der Johanneskirche besonders rührig, seine Mitglieder sprühen vor Ideen.

 

SINDELFINGEN. Vor wenigen Tagen wurde ein Verein zur Förderung des Chores der Johanneskirche gegründet, der seine Arbeit inzwischen aufgenommen hat. Unlängst wurden Bienenstöcke erworben, die im nächsten Jahr Geld in die Kasse spülen sollen. Außerdem geht man auf Firmen zu, um sie für Partnerschaften zu gewinnen.

Der kurioseste Einfall: Beim Erntedankgottesdienst am 4. Oktober wird jedem Besucher ein Geldgeschenk gemacht:
Am Ausgang ist ein Kuvert erhältlich, in dem sich zehn Euro befinden. Das ist kein Gag! Das Geld ist echt und stammt aus den Portemonnaies der Chormitglieder. Man erwartet kein Wunder, aber doch, dass das Geld sich fantastisch vermehrt.
Was mit den zehn Euro geschieht, ist nämlich den Empfängern überlassen. Man kann es für einen Frühschoppen ausgeben oder aber - im günstigsten Fall - es zum Wohl des Chores der Johanneskirche arbeiten lassen. Genau ein Jahr haben die Beschenkten Zeit, aus den zehn Euro mehr zu machen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Man kann basteln, stricken, malen, Konzerte geben. Beispiel: Eine Hausfrau kauft von den zehn Euro Materialien für einen Kochkurs. Die Teilnehmer zahlen eine Gebühr, die dann an den Chor der Johanneskirche zurückfließt.
 
Die Idee ist keine Eingebung in Zeiten kriselnder Wirtschaft, sondern stammt aus der Bibel. Pfarrer Dr. Friedemann Richert vom Vorstand des Fördervereins wird am 4. Oktober über Matthäus 25,14 ff. predigen. Die Geschichte: Ein reicher Mann verreist und vertraut den Dienern sein Vermögen an. Die gehen mit dem Kapital unterschiedlich um. Als der Herr zurückkehrt, wird abgerechnet: Demjenigen, der das Geld vergraben hat, wird alles genommen; seinen Betrag erhält der erste Diener, der das Geld verdoppelt hat: "Denn wer viel hat, soll noch mehr bekommen." Dieses Gleichnis wird nun sehr wörtlich genommen. Die Sindelfinger sollen es so machen wie der erste Diener, vielleicht sogar noch besser, und ihr "Talent wuchern lassen", wie es in der Bibel heißt, die zehn Euro also deutlich vermehren.
 
"Ich war zunächst sehr skeptisch", gibt Chorleiter Michael Kuhn zu. Allerdings hat man in einer Tübinger Gemeinde gute Erfahrungen mit dieser Idee gemacht: Das eingesetzte Geld wurde dort nicht etwa verdoppelt, sondern verzwanzigfacht.

Jan Renz (Kreiszeitung Böblinger Bote)